Selbständige in der Weiterbildung

Selbstständige, freiberufliche und prekäre Tätigkeiten nehmen zu - auch und gerade in der Bildungsbranche. Immer mehr Beschäftigte arbeiten hier - freiwillig oder unfreiwillig, erfolgreich oder weniger erfolgreich – als selbstständige Dozenten/innen, Trainer/innen, Berater/innen oder Coachs. Als Solo-Selbstständige müssen sie ihre soziale Absicherung selbst finanzieren. Zugleich sind die zum Teil äußerst niedrigen Honorare Grund genug, sich über Lösungen der eigenen sozialen Lage zu verständigen und sich in gewerkschaftlichen Netzwerken zu organisieren. Aber auch der berufsfachliche Austausch und die gegenseitige Kooperation sind gute Gründe dafür.

Gewerkschaften (wie ver.di) verfolgen eine "Doppelstrategie":

Zum einen: Freie Lehrkräfte sind "keine Landarbeiter des 21. Jahrhunderts – Sie sind nämlich keine ungebildeten Tagelöhner. Freie Dozenten sind Selbstständige, und zwar hoch qualifizierte. Deshalb haben sie - anders als Landarbeiter - unendlich viele Möglichkeiten, ihre Lage individuell zu verbessern." (Goetz Buchholz)

Zum anderen: "Für die Leute, die nur frei beschäftigt werden, weil das billiger ist, müssen wir um Arbeits- und Honorarbedingungen kämpfen, die möglichst nahe an denen von Arbeitnehmern sind. Das ist für sie die beste Absicherung." (ders.) Zu den ganz konkreten Aufgaben gehören hier: "um höhere Honorare kämpfen. Einen Tarifvertrag für Arbeitnehmerähnliche verlangen. Vertragliche Mindestbedingungen einfordern. Öffentlichkeitsarbeit machen. Das Problem auch intern bewusst machen, damit ver.di überall vor Ort Druck auf die Kommunen macht, dass sie ihre VHS vernünftig mit Geld ausstatten. Feste Stellen mit Musterprozessen erkämpfen."

Bei mediafon - dem ver.di Internet-Portal für Selbstständige - finden Sie neben News zu Branchenthemen, Steuern, Versicherungen und Rechtsfragen auch eine interaktive Datenbank speziell für Bildungshonorare. Im Fachbereich Bildung, Wissenschaft und Forschung steht Ihnen André Pollmann als Ansprechpartner zur Verfügung.

Weitere Informationen zur Arbeit des Fachbereichs enthält unser Flyer „Selbstständig Beschäftigte in der Bildungsbranche".

Selbstständige aus der Bildungsbranche haben sich inzwischen in verschiedenen Initiativen vernetzt. Informationen und Kontakte dazu finden Sie auf der Seite „Kontakte – weitere Kontakte“.



Aktuelle Entwicklungen und gewerkschaftliche Forderungen

(17.12.2018) Trotz der guten Wirtschaftslage gelingt es nicht, prekäre Beschäftigung stärker zurückzudrängen. Dieser Trend muss jetzt umgedreht werden. In wirtschaftlich guten Zeiten gilt es, gute Arbeit mit existenzsichernden Einkommen und normalen Beschäftigungsverhält-nissen flächendeckend durchzusetzen. Der DGB hat Forderungen aufgestellt, um die verheerenden Folgen prekärer Beschäftigung – wie Erwerbsarmut, Spaltung der Belegschaften oder fehlenden sozialen Schutz – abzumildern.

In einer neuen Ausgabe von arbeitsmarktaktuell hat der DGB die Fakten zur Verbreitung von atypischen Arbeitsverhältnissen neu zusammengestellt. Zugleich werden Forderungen entwickelt, um die weitere Zunahme dieser Arbeitsverhältnisse einzudämmen.

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Honorarkräfte der Erwachsenenbildung in Brandenburg sollen künftig mehr Geld bekommen

(02.08.2018) Eine stärkere Förderung der Weiterbildung – das sieht der vom Kabinett beschlossene Entwurf des Haushaltsgesetzes für 2019/2020 vor. Die Honorardozentinnen und Honorardozenten an Volkshochschulen und anderen Einrichtungen der Erwachsenenbildung sollen künftig besser bezahlt werden, vorbehaltlich der Zustimmung des Landtags zum Doppelhaushalt 2018/19.

Eine Unterrichtsstunde in der Weiterbildung wird vom Land bislang mit rund 22 Euro gefördert. Künftig soll die Förderung je Unterrichtsstunde auf rund 32 Euro angehoben werden. Mit dieser deutlichen Erhöhung sollen qualifizierte Honorarkräfte für die Weiterbildung gehalten und neue gewonnen werden. Die Angebote der Erwachsenenbildung können damit in allen brandenburgischen Landkreisen und kreisfreien Städten weiter verbessert werden. Zu den bekanntesten Weiterbildungseinrichtungen gehören neben den Volkshochschulen die Urania, die Akademie 2. Lebenshälfte und die Evangelische Erwachsenenbildung.

Bildungsministerin Britta Ernst: „Das Lernen hört nie auf – wer sich beständig weiterbildet, stärkt seine Möglichkeiten zur beruflichen und gesellschaftlichen Teilhabe. Voraussetzung für attraktive und qualitativ hochwertige Weiterbildungskurse sind gut qualifizierte und motivierte Honorarkräfte. Mit der geplanten, höheren Förderung würdigt die Landesregierung die Leistung der Dozentinnen und Dozenten und ermöglicht eine angemessene Bezahlung.“

Die geplante Förderung betrifft 20 Volkshochschulen und 33 anerkannte Weiterbildungseinrichtungen in freier Trägerschaft im Bundesland Brandenburg.


Quelle: Pressemeldung des Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (MBJS) im Land Brandenburg vom 2. August 2018

Schlagworte zu diesem Beitrag: Volkshochschule, Honorar, Freiberufler/Selbstständige

Schlecht bezahlt oder irgendein Honorar so um die 20 Euro

(01.08.2018) Mit einer Kleinen Anfrage versuchte die Fraktion der GRÜNEN im niedersächsischen Landtag, ein wenig mehr über den Umfang und die soziale Lage von Honorarkräften im Bildungsbereich zu erfahren. Die Landesregierung hat natürlich alle Möglichkeiten ausgeschöpft, so wenige Informationen wie möglich an die Öffentlichkeit gelangen zu lassen. Trotzdem sind die Antworten durchaus interessant.

So heißt es z. B. zu den Lehrbeauftragten an Hochschulen, von denen es „mehrere Tausend“ gäbe: „Lehraufträge an Universitäten und Hochschulen werden nach geleisteten Lehrstunden vergütet. Mit dieser Stundenvergütung sind alle Kosten, die der oder dem Lehrbeauftragten entstehen, abgegolten. Die Vergütung für Lehraufträge ist weder gesetzlich noch untergesetzlich allgemein festgelegt. Vielmehr entscheiden die Universitäten und Hochschulen nach eigenem Ermessen über die Höhe der Lehrauftragsvergütung.“ Das war’s. Das Ministerium gibt keine Information darüber, was denn nun konkret gezahlt wird. Und welcher Arbeitsumfang an so eine „Lehrstunde“ geknüpft ist.

Ganz anders soll die Sache bei Geflüchteten aussehen. Dort bietet die Landesaufnahmebehörde Niedersachsen (LAB NI) sogenannte Wegweiserkurse für Kinder und Jugendliche an, um sie auf die Regelschule vorzubereiten. Zur Bezahlung heißt es dort: „Die durchschnittliche Bruttovergütung der in der LAB NI eingesetzten Honorarkräfte beträgt 20,00 Euro pro 45 Min., d. h. 26,67 Euro pro Stunde.“ Offensichtlich ist das Ministerium des Innern der Meinung, dass solche Vorbereitungskurse weder Vor- noch Nachbereitung nötig haben. Bei einer normalen Vor- und Nachbereitung müssen für eine Unterrichtsstunde 1,5 Zeitstunden angesetzt werden. Der echte Stundenlohn wäre dann nicht 26,67 Euro, sondern 13,33 Euro. Was der Realität deutlich näherkäme.

Noch merkwürdiger wird es im Justizressort. Dort werden je nach Justizvollzugsanstalt offensichtlich unterschiedliche Honorare gezahlt. „Im Geschäftsbereich des MJ variiert die Bruttovergütung pro Unterrichtsstunde zwischen 17 Euro in der Justizvollzugsanstalt Celle über 20 Euro in der Justizvollzugsanstalt Wolfenbüttel sowie 25 Euro in der Justizvollzugsanstalt Oldenburg bis 30 Euro in der Jugendanstalt Hameln (Durchschnitt über alle Anstalten: 23 Euro pro Unterrichtsstunde).“ Eine auch nur ansatzweise Erklärung für die unterschiedliche Behandlung der Lehrkräfte wird nicht gegeben.

Dagegen wird die Behauptung aufgestellt, dass sich Volkshochschulen an den Aufwendungen für die Sozialversicherung beteiligen würden. „In Fachbereichen, in denen Lehrkräfte einen wesentlichen Stundenumfang erreichen - das sind in der Regel die Programmbereiche Deutsch als Fremdsprache oder der Zweite Bildungsweg - beteiligen sich Volkshochschulen bzw. die Träger zum Teil im Rahmen ihrer jeweiligen Honorarordnung an den Sozialversicherungsbeiträgen.“ Wer gerne gewusst hätte, um welche Volkshochschulen es sich hier handelt und wie hoch die Beteiligung ausfällt, dem wird durch diese Landesregierung nicht geholfen. Dazu findet sich nichts in der Antwort.

Da sollte doch mal weiter nachgefragt werden.

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Wenn das Land Bremen mehr Geld in die VHS steckt, sollen auch die Honorarkräfte davon etwas abbekommen.

(25.07.2018) Mit einem Antrag forderte die Fraktion Die Linke in Bremen, die Honorare bei der dortigen Volkshochschule „auf das Niveau der BAMF-Vergütung von 35 Euro anzuheben und anschließend an die Lohnentwicklung im TVöD zu koppeln sowie die Zuschüsse entsprechend zu erhöhen“. In einem ersten Schritt sollte „eine Erhöhung der Honorare an Musikschule Bremen und VHS Bremen um fünf Euro pro Unterrichtseinheit zum 1. Januar 2018 und um weitere fünf Euro im Jahr 2019“ erfolgen.

Nach einer Beratung im zuständigen Ausschuss (städtische Deputation für Kultur) wurde dieser Antrag jetzt abgelehnt. Die Mindesthonorare lägen jetzt bei 23 bzw. 25 Euro je Unterrichtseinheit und seien in den letzten Jahren um 4 Euro je Unterrichtsstunde erhöht worden, so der Ausschuss in seiner Stellungnahme.

In dem Bericht heißt es weiter: „In den Folgejahren nach 2020 solle eine weitere schrittweise Anhebung der Honorare bis auf 31 Euro pro Unterrichtsstunde ermöglicht werden. Arbeitnehmerähnliche Beschäftigte gemäß dem Tarifvertragsgesetz sollten Zulagen/Zuschüsse zu Rentenversicherungs- und Krankenversicherungsbeiträgen (entsprechend der hälftigen Arbeitgeberanteile bei Arbeitnehmern) sowie ein Urlaubsentgelt entsprechend dem Bundesurlaubsgesetz erhalten.“ Das alles stünde unter „unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Haushaltsgesetzgebers zu den dafür notwendigen Zuschusserhöhungen für die Volkshochschule“.

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Tageseltern in Baden-Württemberg verdienen nicht mal die Hälfte des Mindestlohns!

(16.07.2018) Im Bildungsbereich werden immer mehr Aufgaben an Honorarkräfte vergeben. Was in der Weiterbildung als Nebentätigkeit an Volkshochschulen begann, breitet sich im gesamten Bildungsbereich aus. Integrationshelfer bei der inklusiven Beschulung, Nachhilfe für Schüler*innen oder Kinderbetreuung im Kita-Bereich: Überall finden wir zunehmend Honorartätigkeit. Und die passiert hauptberuflich.

Gleichgültig, wo die pädagogische Arbeit auf Honorartätigkeit geschieht, eines verbindet die Honorarkräfte. Sie verdienen deutlich weniger als vergleichbare Beschäftigte in einer Festanstellung. In einer ausführlichen Studie hat das jetzt der Landesverband Kindertagespflege in Baden-Württemberg dargestellt.

„Das durchschnittliche Arbeitsentgelt, das eine selbstständige Tagespflegeperson in Baden-Württemberg gemäß den Ergebnissen dieser Studie erhält, beträgt 6,24 € brutto pro Stunde, entsprechend einem Angestelltenäquivalent von 4,08 € brutto pro Stunde. Dieses liegt rd. 53,8% unter dem allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn von 8,84 € pro Stunde (gültig von 01/2017 bis 12/2018) [WSI2018].“ Um auch nur den gesetzlichen Mindestlohn zu erhalten, müsste das Honorar auf 9,49 Euro je Betreuungsstunde und Kind steigen.

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Selbstständig tätige Dozentin für Deutsch als Zweitsprache

(12.07.2018) Ulrike Pfeifer arbeitet als Honorardozentin für Deutsch als Zweitsprache an der Volkshochschule Leipzig. Sie unterrichtet in B- und c_ Kursen, hauptsächlich Kurse für Menschen, die hier mit ihrem universitären Abschluss arbeiten wollen. Da ihre Kurse nicht vom BAMF finanziert werden, bekommt sie ein geringes Honorar als es Dozenten in Integrationskursen bekommen. Und das nur, weil diese bundesfinanziert.

Damit sich das ändert, engagiert sie sich in der Dozenteninitiative an der VHS Leipzig mit Unterstützung von ver.di – damit wir mit den angestellten Kolleg/innen im Regelschulbetrieb gleichgestellt werden.

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Musikschullehrkräfte: Weiterhin desaströse soziale Lage

(11.01.2018) Zum dritten Mal hat die Fachgruppe Musik in ver.di die Einkommenssituation und die Arbeitsbedingungen von Musikschullehrer*innen untersucht. Die wichtigsten Ergebnisse der Befragungen lauten dabei: „eine desaströse soziale Situation, Einkommen, die teilweise unterhalb der Armutsgrenze liegen, und eine stetig wachsende Zahl von prekär beschäftigten“.

Wie immer ist die Politik an den Ergebnissen der Befragung sehr interessiert. Wirklich nennenswerte Verbesserungen der Situation der Musikschullehrer lassen sich aber kaum feststellen. Zwar ist der Anteil festangestellter Musikschullehrer in Berlin und den neuen Bundesländern gestiegen. „Dafür ist der Abbau der festen Stellen in den alten Bundesländern weiter vorangeschritten. Die überwiegend positiven Reaktionen von Politikern auf die Umfrage scheinen also keinerlei Politikwechsel nach sich zu ziehen.“

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Gute Arbeit an der VHS Berlin

(11.01.2018) Die gute Nachricht zuerst: Alle VHS-Dozent*innen der Honorargruppe 1.2. (akademische Qualifikation) erhalten bis August 2019 35 Euro pro Unterrichtseinheit – wie jetzt schon in Integrationskursen. Das betrifft alle Deutsch- und Fremdsprachenkurse und auch andere Bereiche – unabhängig davon, ob jemand arbeitnehmerähnlich ist oder nicht. Eine gute Nachricht auch für die anderen Honorargruppen: Alle Eingangshonorare (HonGr 1.1 bis 3.2) werden in Relation zur HonGr 1.2. erhöht! Auch das haben wir erreicht.

Für die arbeitnehmerähnlichen Lehrkräfte an den Berliner Musikschulen und Volkshochschulen haben wir in diesem Jahr den Senat zu Tarifverhandlungen aufgefordert – nachdem die drei Regierungsparteien unserem politischen Druck im Rahmen der Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin nachgegeben und Tarifverhandlungen zugesagt hatten. Aber Tarifverhandlungen wurden dem Land Berlin – und damit uns – verwehrt.

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Volkshochschulen führen besonders viele Deutschkurse durch

(27.12.2017) Die Volkshochschulen haben 2016 deutlich mehr Kurse durchgeführt als 2015. Deutschkurse für Geflüchtete haben das Geschäft mächtig angetrieben. Alle Sprachkurse zusammen machen 54 Prozent der durchgeführten Veranstaltungen aus. Mit 5,9 Millionen Stunden entfallen gut 60 Prozent der Kursstunden im Sprachenbereich auf Deutschkurse – 1,5 Millionen mehr als 2015. Das geht aus der neuen Volkshochschulstatistik des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung (DIE) für 2016 hervor.

Das Finanzvolumen stieg 2016 um 14,9 Prozent auf rd. 1,3 Mrd. Euro. An Bedeutung gewonnen hat vor allem die Finanzgruppe der „anderen Einnahmen“ und hier besonders die der Bundesmittel, die 2016 um 119 Prozent auf 150 Mio. Euro wuchsen. In diesen Zahlen sind auch die Mittel des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge für Integrationskurse enthalten. Im Gegenzug fällt der Anteil der Teilnahmegebühren am Finanzvolumen um 2,6 Prozent auf rund 38 Prozent.

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