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Was passiert mit der beruflichen Weiterbildung?

Die BA will Sie, die FDP will sie stutzen und die FAZ findet sie mehr als überflüssig

Kurz vor Ostern hat die Bundesagentur für Arbeit (BA) ihren Geschäftsbericht 2009 veröffentlicht. Geht es nach der BA, so herrscht bei der Förderung der beruflichen Weiterbildung eitel Sonnenschein. Im Geschäftsbericht heißt es dazu:

„Die Förderung der beruflichen Weiterbildung ist als eines der wesentlichen Elemente der aktiven Arbeitsförderung anzusehen. sie soll dazu beitragen, die Diskrepanz zwischen den qualifikatorischen Anforderungen bei der Nachfrage nach Arbeitskräften und den bei Arbeitsuchenden vorhandenen Qualifikationen auszugleichen. Die BA leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Deckung des Fachkräftebedarfs.

im Berichtsjahr begannen 380.725 (2008: 251.539) Arbeitnehmer im Rechtskreis SGB III eine berufliche Weiterbildungsmaßnahme. Gegenüber dem Vorjahr ist damit die Zahl der Eintritte um über 50 % angestiegen. Der Durchschnittsbestand lag im Jahr 2009 bei rund 105.659 Weiterbildungsteilnehmern.“

Doch zum Ende des Jahres sollen die arbeitsmarktpolitischen Instrumente der BA erneut auf den Prüfstand. Und bei jeder neuen Prüfrunde tauchen alte Argumente über die angebliche Wirkungslosigkeit der Weiterbildung auf. Während in 2010 im Haushalt der BA ausreichend Mittel für die arbeitsmarktpolitischen Instrumente und damit die Fortführung von Qualifizierungsmaßnahmen zur Verfügung stehen, fordert die FDP ab 2011 massive Eingriffe, um die Steuersenkungspläne gegen zu finanzieren. So sieht Birgit Homburger, Fraktionsvorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, „beispielsweise bei der Bundesagentur für Arbeit oder auch im Etat des Familienministeriums“ große Einsparpotentiale, um die geplanten Steuersenkungen in 2011 durchzusetzen. Der Vorstandsvorsitzende der BA, Weise, sieht den Beitragssatz der BA ab 2011 „näher ab 2,8 Prozent liegen als bei 4,5 Prozent“. Mit einem solch tiefen Beitragssatz wären die arbeitsmarktpolitischen Instrumente und insbesondere die Ausgaben für Qualifizierungsmaßnahmen nur noch mit einem ausreichenden Bundeszuschuss zum Haushalt der BA möglich.

Bei einer neuen Attacke gegen die angebliche Nutzlosigkeit der Weiterbildung darf die Frankfurter Allgemeine nicht fehlen. In der Sonntagsausgabe vom 22. März entdeckt sie den „Mythos Weiterbildung“ und predigt gegen die „Qualifizierungspropheten“. Die seien schuld an einer „Qualifizierungsmaschinerie“, die glaube, mit mehr Weiterbildung der Arbeitslosigkeit Herr zu werden. Es gebe keine ordentlichen Studien über die Wirksamkeit von Weiterbildung, was der „Weiterbildungsindustrie“ geschuldet sei. „Weil Arbeitgeber, Handelskammern und Gewerkschaften von der Weiterbildung finanziell profitieren, wollten sie diese selbstverständlich nicht zerpflücken, sondern höchstens modifizieren,“ so Konrad Mrusek in der FAZ. Doch Mrusek hat auch Hoffnungen. Die fehlende Fachkräfte-Lücke könne helfen, möglicherweise „bald noch mehr Geld sparen und die Weiterbildungsindustrie verkleinern“ zu können. Doch bis es soweit ist, fordert er „Weniger ist mehr“.

Abwarten hilft nicht. Wer die Förderung der beruflichen Weiterbildung als eines der wesentlichen Elemente der aktiven Arbeitsförderung erhalten will, wird sich in die politische Debatte um die Evaluation der arbeitsmarktpolitischen Instrumente einmischen müssen. Und das nicht erst im Herbst 2010! Das wäre doch ein gutes Thema für den 3. Deutschen Weiterbildungstag mit Horst Köhler als Schirmherr. Oder nicht?


Peter Schulz-Oberschelp
Netzwerk-Weiterbildung

Dieser Beitrag wurde zuletzt aktualisiert am 13.04.2010

Quelle: www.netzwerk-weiterbildung.info
Druckdatum: 16.11.2018