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Lebensbegleitendes oder lebenslanges Lernen?

Herausforderungen der Weiterbildung

Schlussfolgerungen für Weiterbildung und das Konzept des Lebenslangen Lernens


„Absicherung statt Aufstieg“


Lebenslanges Lernen ist zur normalen Anforderung geworden. Betriebliche Weiterbildung, aber auch individuelle non-formale Weiterbildung sind heute nicht mehr Marker eines besonderen Engagements und damit Empfehlung für beruflichen Aufstieg. Weiterbildung gehört zur normalen Anforderung, die für den Erhalt der eigenen Beschäftigungsfähigkeit erforderlich ist. Sie verliert so den Charakter der Freiwilligkeit und wird – sofern nicht bereits verpflichtend – zur Notwendigkeit.

Formale berufsbezogene Weiterbildung – wie Fortbildungsabschlüsse oder ein auf den erlernten Beruf aufbauendes Studium – garantiert nicht einen beruflichen Aufstieg. Weiterbildung bietet jedoch Schutz vor beruflichem Abstieg und vor Erwerbslosigkeit. Wichtiger noch: Im Idealfall vermittelt sie positive Lernerfahrungen und weitere Lernanreize. Unabhängig von ihrem individuellen Nutzen ist Weiterbildung – auch über den engeren berufsbezogenen Bereich hinaus – gesellschaftlich und wirtschaftlich gewünscht: In der Bewältigung gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Transformationen wird sie immer wichtiger. Daher liegt es im allgemeinen Interesse, dass Menschen bereit sind, sich weiterzubilden, und auch die Möglichkeit dazu haben.

Obwohl längerfristige Weiterbildung meist in der Verantwortung (Initiative, Kosten, Zeit) der Beschäftigten liegt, zahlt sie sich zumindest monetär für sie nicht immer aus. Arbeitgeber hingegen profitieren auch bei Beschäftigten, die nicht qualifizierungsadäquat bzw. überqualifiziert eingesetzt werden, von deren in der Weiterbildung erworbenen Fähigkeiten und Fertigkeiten. Sinnvoll wäre daher die betriebliche Unterstützung von Fortbildung durch Freistellung und Kostenübernahmeregelungen.


Eine neue Erzählung

Wenn Weiterbildung inzwischen als Mindestvoraussetzung für Beschäftigungsfähigkeit gilt, kann sie nicht länger Merkmal einer Abgrenzung oder Unterscheidung sein. Damit wird das alte Versprechen hinfällig, Weiterbildung führe stets zu einer vertikalen Karriere und zu sozialem Aufstieg.

Zu entwickeln sind vermehrt horizontale Karrierewege bzw. Arbeitsplätze, die an fachlichen Interessen und Kenntnissen anknüpfen – und die dem Bedürfnis nach mehr Handlungsautonomie und größerer Zeitsouveränität entgegenkommen, wo die Beschäftigten ihr vorhandenes Wissen anwenden und neues Wissen erwerben können.

Notwendig ist eine veränderte Sicht auf Weiterbildung – eine neue Erzählung: Der Fokus sollte nicht auf Karriere, sondern auf die persönliche und berufliche Entwicklung gelegt werden. Dazu muss auch die berufsbezogene Weiterbildung entsprechend gestaltet sein.

Weiterbildung liegt im gesellschaftlichen, im wirtschaftlichen und meistens auch im betrieblichen Interesse. Daher müssen Beschäftigte, die sich weiterbilden, zeitlich und finanziell entlastet werden. Arbeitgeber und Staat sind hier gleichermaßen gefordert.



Quelle: Michaela Kuhnhenne: Lebensbegleitendes oder lebenslanges Lernen? Herausforderungen der Weiterbildung, Hans Böckler Stiftung, Forschungsförderung Report Nr. 8., Düsseldorf August 2020, veröffentlicht unter Creative Commons Attribution 4.0 ( BY ).


Sie können die Broschüre auf der Homepage der Hans-Böckler-Stiftung als pdf-Datei kostenlos herunterladen.


Schlagworte zu diesem Beitrag: Lebenslanges Lernen, Weiterbildung, Berufliche Weiterbildung
Dieser Beitrag wurde zuletzt aktualisiert am 11.10.2020

Quelle: www.netzwerk-weiterbildung.info
Druckdatum: 30.11.2020